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Vom sich freilaufen

Ich habe darüber nachgedacht, wie ich dem Alltag mit all den Neuerungen entkommen kann. Wie ich das kleine MODY-Monster gedanklich einfach mal kurz beiseite legen kann.

Ich fühle mich im Moment sehr gefangen in meinem eigenen Körper und meinen Gedanken. Ich muss akzeptieren und mich daran gewöhnen, dass der Alltag nun anders abläuft. Daran gewöhnen, dass meine Tage genau so beginnen, wie sie enden: mit einem Stich in den Finger, mit dem Piepen des Messgeräts, mit der Kontrolle meines Blutzuckers und mit vielen anderen neuen Regeln.

Ich renne los.

Die Laufschuhe sind stramm geschnürt. Die Musik gibt das Tempo vor. Ich atme ein, ich atme aus, ich laufe. Ich vergesse alles um mich herum. Alles wirkt verschwommen und weit weg. Alle Belastungen, Probleme und Aufgaben fallen mit jedem Schritt etwas mehr von mir ab. Ich denke nur an meine Leistung während des Laufs. Ich bin fokussiert. Es gibt keine Grenze. Ich laufe soweit mich meine Beine tragen. Mal schneller, mal langsamer. Ohne Pause. Ob ich durch die dunklen Straßen der Hauptstadt renne oder durch den herbstlichen, bunten Wald. Abends oder morgens… ganz egal. Ich fühle mich frei. Ich fühle mich stark, gesund und plötzlich scheint alles möglich. Weiter, immer weiter. Vorbei an Ampeln, Döner-Buden und durchs bunte Laub.

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7 km später stehe ich wieder vor der Haustür.

Genau dort, wo ich mich vom MODY-Monster verabschiedete. Ich bin nicht weggelaufen, ich habe mich nur freigelaufen. Mit jeder Stufe hoch zur Wohnung wird der Blick wieder schärfer. Es gibt nur einen großen Unterschied: ich fühle mich frei und glücklich. Ich konnte dem Alltag 40 Minuten entkommen. Dann die nächste Kontrolle, der nächste Stich und das Ergebnis: alles im grünen Bereich. Der Kopf ist frei und die Werte im Normalbereich. Bewegung hilft, Freiheit auch.

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1 Comment

  • Reply Orsoblast

    Sehr schön!

    24/11/2016 at 00:54
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